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Lederhose allein ist noch nicht Tracht!

 

Die Lederhose sei aber nur ein kleiner Teil dessen, was Tracht wirklich ausmache, betont Alexander Wandinger energisch.
"Es ist doch banal, die Lederhose als Synonym für Tracht zu setzen. Bei der Tracht geht es um Kleidungskultur und nicht
darum, dass wir uns auf die Schenkel klopfen." Vielmehr sei in seinen Augen die Tracht unter anderem Ausdruck der
psychischen Situation des Menschen. So wie schwarze Kleidung meist mit Trauer zu verbinden ist, drückt auch das Tragen
von Tracht eine innere Einstellung aus. "Auch mit einer besonders kracherten Lederhose kann ich etwas ausdrücken, ganz
gewiss", schränkt er ein. "Doch damit kann man noch lange nicht sagen, ‚ich trage Tracht‘." Zur Tracht gehört die
Identifikation, die bei manchem Pseudo-Trachtler aber nicht gegeben ist.
Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der
Zeit der Romantik, wurde die Lederhose zur Nationalkleidung stilisiert. Ausgelöst von den Reisenden, die die ländlichen
Gebiet Bayerns entdeckt haben. Auch die Wittelsbacher haben diesen Trend fleißig unterstützt.
Als dann die Fremdenverkehrsvereine mehr Gewicht bekommen haben, wurde das Lederhosen-Image mehr und mehr
durchgesetzt. "Irgendwann haben dann die Leute selbst begonnen, zu glauben, dass sie in der Lederhose geboren wurden." Diesem aufoktroyierten Image will der Trachtenforscher entgegen wirken. "Ich habe zwar runde 30 Lederhosen im Depot.
Diese vermeintlich wichtigsten Dinge der Tracht stellt das TIZ allerdings nicht in den Vordergrund."

Damit sich verfälschte Einstellungen zur Tracht ändern, leistet Alexander Wandinger Aufklärungsarbeit. Zum Trachtenguru will
er dabei nicht mutieren. Der Hauptzweck des TIZ liegt in der Mitgestaltung des Trachtengeschehens. Nicht nur Trachten- und Schützenvereine gehören zur Zielgruppe. Im TIZ können sich auch die Trachtenschneider und -schneiderinnen informieren.
Selbst Modeschulen und Kostümbildnern gibt Wandinger Nachhilfe auf seinem Spezialgebiet. Für sie alle will das TIZ
Anlaufstelle sein. Bei der Beratung wird immer auf die speziellen Wünsche der Ratsuchenden eingegangen. Dazu gehört es
aber auch, dass Wandinger Handreichungen erstellt. Ein Buch mit neu erarbeiteten Schnitten wird er in Zusammenarbeit mit
fünf Schneiderinnen und einigen Schneidern herausgeben.

Ein verstaubtes Museum soll das TIZ nie werden. "Alles soll den Besuchern offen stehen.
Sowohl die Bücher und Bilder als auch unsere Trachten sind Anschauungsmaterial."
Vereinzelt werden Ausstellungen das Infozentrum beleben. Auch Vorträge über Tracht sind geplant.

 
Hilfesuchenden stehen die Türen des TIZ immer offen.
Trachten-Informations-Zentrum, Am Zeilerweg 2,
83671 Benediktbeuern, Tel: 08857 – 88838.

Text Stefanie Geiger